Dienstag, 21. März 2017

Im Überlebensmodus leidet die Empathie



Ein Ertrinkender schlägt um sich. Manchmal würgt jemand, der dabei ist zu ertrinken, in seiner Panik sogar den Retter. Als Rettungsschwimmer lernt man sich aus dem Griff zu befreien, um Leben zu retten. Erst an Land, nach etwas Erholung, schaltet sich das Großhirn  wieder ein. Erst dann kommt der Ertrinkende aus dem Überlebensmodus, dem blanken Selbsterhaltungstrieb, wieder ins Leben zurück. 

Panik und Existenzängste bringen die schlechtesten Seiten in uns zutage. Jeder kennt das. Momente wo Angst, Neid, Eifersucht oder Wut den gesunden Menschenverstand blockieren. Befinden wir uns in einer gesunden Umgebung, ist der Weg zurück zur Urteilsfähigkeit nicht schwer. Aber wenn Panik auch um uns herum ist und länger anhält, dann wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt, der mit sehr viel Gewalt enden kann.

Ich sehe sehr viele Menschen mit Ängsten und auch das Leid, das dadurch entsteht. Natürlich ist Angst nicht per se schlecht. Schließlich soll Angst uns vor Gefahren bewahren. Aber bei großer Angst, insbesondere bei Panik, stehen uns nicht mehr alle Hirnleistungen zur Verfügung. Im Überlebensmodus reagieren wir triebhaft und unreif. 

Deswegen möchte ich die Angst in unseren Köpfen reduzieren. Individuell und gesellschaftlich. 
Ich hatte vor einigen Jahren das zweifelhafte Vergnügen Mobbing am eigenen Leib zu erfahren. Ich habe mich damals selbst überschätzt. Zu spät erkannte ich, wie gefährlich das werden kann. Anfangs war es nur eine Mitarbeiterin. Doch mit der Zeit hatten Ausgrenzungen, Verleumdungen und aggressive verbale Angriffe das ganze Team erfasst. Ich mochte meine Arbeit und konnte mir nicht vorstellen die Patienten einfach im Stich zu lassen. Nachdem  mir die Chefin eröffnet hatte, dass sie nicht gewillt war den Konflikt konstruktiv anzugehen, habe ich trotzdem gekündigt. 

Wer mit dem Rücken an der Wand steht, hat kein Mitgefühl mehr

Im Tiefpunkt des Geschehens traf ich eine alte Freundin. Nach wenigen Sätzen guckte sie mich schockiert an: "Wo ist denn deine Empathie geblieben?" Erst da habe ich begriffen, wie schlimm es um mich bestellt war. Wer mit dem Rücken an der Wand steht, hat kein Mitgefühl mehr. 

Ich bin nach dem Tag nie wieder an diesen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Anschließend habe ich viel Liebe und Hilfe gebraucht, und zum Glück auch bekommen. Auch wenn meine sozialen Beziehungen sehr unter den psychischen Belastungen des Mobbings gelitten hatten. Manche Kontakte musste ich aufgeben, andere neu beginnen oder alte wieder aktivieren. In schweren Zeiten lernt man viel über seine Mitmenschen. Nach einer Weile hatte ich mich, meine Gesundheit und meine Empathie wieder gefunden Aber diese Erfahrung hat mir wichtige Erkenntnisse gebracht. 

Manchmal frage ich mich, warum manche Leute mit Menschen, die ihre Heimat verlassen haben, um ihr Leben zu retten, kein Mitleid haben. Dann erinnere ich mich daran, wie es mir ging. Und dann verstehe ich. Es ermöglicht mir, auch für aggressive und destruktive Verhaltensweisen Verständnis aufzubringen. Ich heiße es nicht gut, aber ich verstehe es.

Ob jemand sich selbst bedroht sieht, hat nicht unbedingt etwas mit einer realen Gefahr zu tun. Viele Ängste werden durch emotionale Trigger ausgelöst, zB frühere traumatische Erfahrungen. Aber auch in der Situation begründete Ängste reduzieren die Empathie. 

Was für Trigger? Ich möchte dass an einem Beispiel erläutern. Ein mir sehr nahestehender Mensch hat von seinen Eltern immer wieder zu hören bekommen: "Wenn du dich in der Schule nicht anstrengst, wirst du später verhungern!" Dadurch wurden irrationale Ängste gezüchtet. Die Folge davon waren Prüfungsangst und Panikattacken. Ich habe mehrmals erlebt wie diese Angst einen eigentlich sensiblen, liebevollen und behutsamen Menschen zum "Ekelpaket" hat werden lassen. 

Wer mit den Ängsten der Menschen Politik macht, oder wirtschaftet, sollte sich nicht wundern, wenn diese Menschen (dadurch) zu "Arschlöchern" werden. Es wird dann zu einer selbsterfüllenden Prophezeihung, von beiden Seiten. 

Wir sollten uns dessen bewusst sein. Manchmal muss man sich schützen. Und dennoch sehe ich die Lösung eigentlich darin, Stück für Stück wieder mehr Vertrauen in die Welt zu bringen. Denn auch Vertrauen kann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

Dieser Artikel ist aus dem Oktober 2016 und wurde hier erneut veröffentlicht. 

Freitag, 17. März 2017

Mein Angebot an das Bündnis Grundeinkommen




Ich bin Svenja Baukje Dobberstein, 37 Jahre alt, Ärztin, Mutter von 2 Töchtern und lebe in Hannover. 

Ich möchte mich zur Verfügung stellen, um das Bündnis Grundeinkommen als Werkzeug zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland zu unterstützen. Ich bin seit vielen Jahren leidenschaftliche Befürworterin des BGE. In den letzten Jahren setze ich mich aktiv dafür ein, vor allem im Bereich Social Media und durch meinen Blog (https://baukje23.blogspot.de/). 

Gründe für ein Grundeinkommen sehe ich unendlich viele, um die für mich persönlich wichtigsten Stichworte zur nennen: Selbstermächtigung, Freiheit, seelische Gesundheit, Existenzsicherung und Menschenwürde. Bei dieser humanistische Herangehensweise bleibt das BGE allerdings Vision oder Utopie. Aktuelle politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklungen kommen hinzu: Digitalisierung, Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, Wiederaufkommen des Nationalismus, Krise der Sozialsysteme. Vor allem diese zusätzlichen Faktoren machen das Grundeinkommen zu einer dringend notwendigen Maßnahme der Realpolitik. 

Bezüglich des Bündnis Grundeinkommens als Werkzeug für das BGE möchte ich folgende Kernziele wieder in den Fokus rücken: 

1. das Grundeinkommen wählbar machen! - Unterschriften sammeln und die Zulassung zur Wahl bewirken -> Zielgruppe: aktiv(ierbar)e BGE-Befürworter + Unterschreiber

2. BGE-Befürworter über die Wählbarkeit informieren und zur Wahl mobilisieren! - das Bündnis Grundeinkommen als Werkzeug bekannt machen -> Zielgruppe: BGE-Befürworter (auch passive)

3. das Thema in den Bundestag bringen – indem in den anderen Parteien das Interesse fürs BGE wieder erweckt wird, über die Währung „Wählerstimmen“ , durch mediale Aufmerksamkeit, ggf sogar als eigene politische Kraft im Bundestag.

4. durch Aktionen Informationen etc. das BGE in die breite Diskussion in der Bevölkerung bringen - als ähnliche Zielsetzung wie die BGE-Initiativen, den politischen Willensbildungsprozess fördern -> Zielgruppe: potentielle Befürworter, die noch zweifeln oder das BGE noch nicht kennen.

5. weitere potentielle Wähler motivieren  - über das BGE informieren und dafür werben -> Zielgruppe: Nichtwähler, Protestpartei als Alternative zur AfD

Meines Erachtens ist es KEIN Ziel, die Partei als Selbstzweck aufzubauen (Mandate, Positionen, politische Karriere, incl. dem vorrangigen Wunsch, SELBST in den Bundestag einzuziehen); auch KEINE Ausarbeitung eines eigenen Modells (Inklusion aller BGE-Befürworter – erst das OB, dann das WIE); KEINE Umstimmung von politischen Gegnern (sinnlos), allenfalls als Plattform, um eigene Argumente darzustellen; und auch NOCH NICHT die tatsächliche Einführung des BGE (das kommt später).

Das Grundeinkommen ist für mich institutionalisierte Selbstermächtigung. Insofern ist ein „Wahlkampf“ mit dem Ziel, Macht zu generieren, um diese dann wiederum allgemein reduzieren (an den einzelnen verteilen) zu können, eigentlich ein Paradox. Deswegen möchte ich eine andere Art von Wahlwerbung betreiben. Ich möchte den IMPULS geben, sich mit dem Grundeinkommen zu befassen. Ich möchte dazu EINLADEN, sich für das BGE einzusetzen. Ich möchte das Bündnis Grundeinkommen den Wählern zur VERFÜGUNG STELLEN, um dieses Thema in den Bundestag zu bringen. 

Zum Erreichen dieser Ziele stelle ich folgende persönliche Kompetenzen zur Verfügung:
Es fällt mir leicht, meine Gedanken in Worte zu fassen und auszudrücken - sowohl  schriftlich in meinem Blog und bei Facebook als auch gesprochen. Es ist mein tägliches Geschäft als Hausärztin, mich sprachlich auf mein Gegenüber einzustellen. Als angehende Psychotherapeutin ist es meine Kunst, empathisch zuzuhören und die richtigen Fragen zu stellen. Ich versuche nicht, andere von etwas zu überzeugen. Ich lade ein, bestimmte Dinge zu überdenken, und unterstütze dabei, selbst den Weg zu finden. Dabei gilt es einen Rahmen zu schaffen in denen Selbstermächtigung möglich ist und  auch fürsorglich gemeinte Übergriffe vermieden werden.

Genau so möchte ich auch fürs Grundeinkommen werben. Die Potentialentwicklung von Menschen zu fördern und zu unterstützen ist mir ein Herzensanliegen. Sowohl im beruflichen Kontext in der Personalführung als auch mit Patienten und auch im privaten Umfeld kann ich da auf viel Erfahrung zurückgreifen. 

Ich kenne politische Arbeit aus der Vorstandsarbeit in meiner Rudergemeinschaft. Dort haben wir sehr konstruktiv und kompetenzbasiert Basisdemokratie betrieben. Ich kenne Teamarbeit aus dem Leistungssport. Als Studentin bin ich viele Jahre im Frauenachter gerudert, dabei sind eine gute Koordination und Zusammenarbeit wesentlich. Ich kann in verschieden Positionen innerhalb von Hierarchien arbeiten, von der Kleinsten im Bug bis zum Co-Schlag,  Steuerfrau oder Trainerin habe ich schon alles gemacht. 

Meine Begeisterungsfähigkeit in der Sache  wird kombiniert mit Authenzität und Offenheit und der Bereitschaft, meinen Namen und mein Gesicht für das Grundeinkommen herzugeben. Obwohl meine Fähigkeiten im Umgang mit Facebook überwiegend auf selbstangeeigneten Erfahrungen beruhen, werden mir dort immer wieder „virales Marketing“ oder „Enthusiasmus“ bescheinigt, neben sehr vielen positiven persönlichen und dankbaren Rückmeldungen dafür, dass ich mich für das Grundeinkommen einsetze. 

Selbstverständlich stelle ich auch meinen Intellekt und meine Bildung zur Verfügung, nicht weil ich denke, dass dies wichtiger ist, als anderes was eingebracht werden kann, sondern weil es einfach Eigenschaften sind, die ich mitbringe.  

Als meist berufstätige alleinerziehende Mutter bin ich ohnehin gut organisiert und geübt darin, zu delegieren und Prioritäten zu setzen. Da ich mich aktuell in einer Zwischenphase befinde, zwischen Weiterbildung und Praxisgründung, habe ich ausreichend flexible Zeit zur Verfügung, um mich in das Bündnis Grundeinkommen einzubringen. 

Ich gehe achtsam mit mir selbst und mit meiner Lebenszeit um, deswegen habe ich, trotz politischem Gestaltungswillen, bisher die meisten politischen und funktionellen Ämter, die in den letzten Jahren an mich herangetragen wurden, abgelehnt. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben im Hier und Jetzt. Da mir das BGE eine Herzensangelegenheit ist, bin ich diesmal bereit mich auch als Kandidatin für den Vorstand zur Verfügung zu stellen. Ob ich dabei selbst ein Amt übernehme oder anderen zuarbeite, spielt für mich keine Rolle. Ich biete der Mitgliederversammlung beim Bundesparteitag meine Fähigkeiten an und das gleiche werde ich das auch einem zukünftigen Vorstand gegenüber tun. Genauso wie ich es auch dem aktuellen Vorstand gegenüber getan habe.

Dass noch viele weitere Kompetenzen und Personen für die Realisierung der oben genannten Ziele erforderlich sind, steht für mich außer Frage. Seit ich im September letzten Jahres das erste Mal von der Parteigründung gehört habe, bin ich begeistert von der Vielfalt von Persönlichkeiten und Lebensrealitäten, die sich hier verbinden. In dieser Diversität liegt sowohl eine großes Potential als auch die größte Herausforderung. Ich hoffe sehr, dass wir alle zusammen diese Aufgaben meistern und dem Grundeinkommen und damit den Menschen in diesem Land einen guten Dienst erweisen.